III. Von der Strafkolonie zum Weltraumbahnhof: die schwierige Entwicklung Französisch-Guayanas

 

Schwieriger Anfang: Niemand wollte dort hin

Aus den einigermaßen verwirrenden Angaben über die Anfänge der europäischen Besiedlung Französisch-Guayanas ergibt sich, daß die ersten Bewohner des heute französischen Küstenstreifens Briten und Holländer waren und daß Cayenne eine holländische Gründung ist. Verschiedene französische Könige und Regierungen bemühten sich, dort Siedler hinzulocken. Jesuiten wurden hingeschickt. Dann kamen aus südlicheren Küstengegenden sefardische Juden, die von den Portugiesen vertrieben worden waren. Aber alle diese Siedlungen waren klein und kurzlebig.
Die Umstände waren widrig: Die Einheimischen hatten bereits mitbekommen, daß die Europäer, die da mit Schiffen ankamen, keine Freunde waren und bekämpften sie, so gut sie konnten. Das Klima, die Natur und die Krankheiten, die über Parasiten und Nahrung die Siedler weiter dezimierten, taten ein Übriges, und die Korsaren und Militärexpeditionen der anderen Kolonialmächte gaben den Ansiedlungsversuchen meistens den Rest.

Nachdem Frankreich im 7-jährigen Krieg seine ganzen nordamerikanischen Territorien an Großbritannien verloren hatte, wurde dieser kleine leere Küstenstreifen, den eigentlich niemand wollte, um so interessanter. Immerhin Festland, und von den Briten nicht besetzt. Es gab damals – 1763 – ein Fort und ein paar Hundert Bewohner, einen Brückenkopf sozusagen.
In Frankreich wurde die Werbetrommel gerührt und Siedler angelockt. Man versprach ihnen das Blaue vom Himmel herunter, Propagandabilder wurden gedruckt und sogar Theatergruppen beigegeben, um die Übersiedlung nach Guayana in Wort und Bild als gute Idee zu präsentieren.
Auf diese Art und Weise gelang es, um die 15.000 Personen, meist aus dem Osten Frankreichs und dem Grenzgebiet zu Deutschland, in Richtung Guayana zu verschiffen – mit für die Betroffenen sehr unerfreulichen Folgen. Der größte Teil dieser Kourou-Expedition ging an Krankheiten zugrunde oder verhungerte, um die 3000 schafften es zurück nach Europa, wo sie dann auch noch mit den eingeschleppten Krankheiten kleinere Epedemien verursachten.
Viel Aufwand, wenig Ergebnis: Die Kolonie wuchs auf etwas mehr als 1000 Personen an.

Außerdem rückten damals die 3 Inseln vor Kourou in den Blickpunkt, weil sie etwas bessere Überlebensbedingungen boten als das Festland. Sie wurden „Îles du Salut“ genannt, was man als Inseln der Gesundheit, oder auch der Zuflucht übersetzen kann. (Sie wurden in der Zeit der Strafkolonie vor allem wegen zweier Häftlinge bekannt, die es zu literarischem Ruhm gebracht haben: Alfred Dreyfus und Henri Charrière.)

Die Berichte der Überlebenden hatten zur Folge, daß sich dort niemand mehr freiwillig ansiedeln würde. Die nächsten Ankömmlinge wurden daher mit Gewalt dorthin gebracht: Sklaven, die meistens nicht von Afrika direkt, sondern über andere lateinamerikanische Kolonien eingekauft und nach Guayana geliefert wurden, in kleineren Partien und oft durch holländische Händler.
Die zweite Art von Neuankömmlingen waren Häftlinge, derer man sich in diese grüne Hölle, weitab des französischen Festlandes, entledigte. Zunächst, in den Wirren der französischen Revolution und des Kaiserreichs, waren es politische Gefangene, die nicht gleich dem Henker und der der Guillotine überantwortet wurden, sondern lieber dorthin geschickt wurden, wo der Pfeffer wächst.
(Der Cayennepfeffer, der eigentlich kein Pfeffer, sondern ein sehr scharfer Paprika ist, hat seinen Namen aus einer Eingeborenensprache und war schließlich der Namensgeber der heutigen Hauptstadt dieser Provinz.)

Nach einer kurzen Zeit des relativen Aufschwungs durch Plantagenwirtschaft mittels Sklaven kehrte nach der Aufhebung der Sklaverei 1848 wieder Stagnation ein, die Plantagen verfielen. Sie waren allerdings sowieso zum größten Teil auf das Hinterland Cayennes beschränkt gewesen.
In Französisch-Guayana scheiterte auch der Versuch, in Anlehnung an die Nachbarländer Arbeiter anzuwerben: Wer – aus den gleichen asiatischen Gegenden wie die nach Suriname und Britisch-Guayana verschifften Arbeiter – kam, suchte sein Heil in den Ortschaften und ließ sich nicht auf den Plantagen einspannen.


Strafkolonie

Als Kombination zwischen der Entledigung unangenehmer Mitbürger und einer Besiedlung durch Zwang, nachdem alles andere gescheitert war, wurde unter Napoleon III. Französisch-Guayana als Strafkolonie wiederentdeckt und offiziell eingerichtet:

„Die Strafkolonien wurden durch Napoleons III. Gesetz vom 30. Mai 1854 geschaffen. Aber bereits mit der Verkündung des Dekrets vom 8. Dezember 1851, 4 Tage nach dem Staatsstreich, wurden Deportationen nach Cayenne organisiert.
Die Strafkolonien blickten … auf eine lange Geschichte zurück. … Der Transport von Sträflingen, Landstreichern und Prostituierten nach Übersee hatte bereits im 16. Jahrhundert nach Kanada und im 18. Jahrhundert nach Louisiana begonnen. Ihr Zweck war die Besiedlung der Kolonien, nicht die Unterdrückung und Bestrafung. … Französisch-Guayana erwies sich jedoch bald als ideale Kolonie, um in Frankreich unerwünschte Personen loszuwerden. … Ab 1852 wurde Cayenne als vorrangiger Haftort für alle politischen Gefangenen und gewöhnlichen Kriminellen genutzt. … Die Deportation von Menschen in dieses ferne Land bot im Vergleich zu den sonstigen Sträflingskolonien in den Häfen Frankreichs einen doppelten Vorteil: das endgültige Verschwinden der als gefährlich geltenden Bevölkerung und die Ersetzung der 1848 freigelassenen Sklaven durch eine ebenso wohlfeile Arbeitskraft – eine günstige Gelegenheit für die Entwicklung einer stagnierenden Kolonie“ – zumindest hoffte man darauf.
„Von 1852 bis 1938 belief sich die Bevölkerung der kolonialen Strafkolonien auf etwa 100.000 Menschen, 52.000 davon wurden nach Französisch-Guayana deportiert, 16.000 dorthin verbannt. …
Das Gesetz vom 30. Mai 1854 … ordnete die Deportation nicht nur aller zu Zwangsarbeit verurteilten Sträflinge nach Cayenne an, sondern erstmals auch von Frauen, die zur Heirat mit Sträflingen bestimmt waren und so zur Bevölkerungszahl der Kolonie beitragen sollten. Diese Frauen hatten jedoch die Wahl, ihre Strafe in Frankreich abzusitzen oder das Land zu verlassen – eine Möglichkeit, die Männern verwehrt blieb.
Das Gesetz, weiterhin vom gleichen Kolonisierungsstreben getrieben, führte das System der »Verdopplung« ein: die Verpflichtung, nach Verbüßung der Strafe in der Kolonie zu bleiben.
Diese »Entlassung aus der Haft«, die in Wirklichkeit keine war, sondern lediglich so bezeichnet wurde, dauerte so lange wie die Zwangsarbeit oder, bei einer Strafe von mehr als 8 Jahren, für den Rest des Lebens.
Diese »Verdopplung« ging bei guter Führung mit der Zuteilung von Landparzellen im Falle ländlicher Konzessionen bzw. von Läden oder Werkstätten für Handwerker im Falle städtischer Konzessionen einher.
Das letzte grundlegende Gesetz war das der »Abschiebung« vom 27. Mai 1885…: Es ordnete die Abschiebung von Wiederholungstätern nach Französisch-Guayana und Neukaledonien an, also von Personen, die kleinerer Verbrechen schuldig waren und »innerhalb eines Zeitraums von 10 Jahren in beliebiger Reihenfolge 4 Gefängnisstrafen verbüßt hatten«.
Für das Festland war dies ein Weg, die Mittellosen, die Kleinkriminellen, die Obdachlosen, die »Verlierer« ohne festen Wohnsitz, die Landstreicher und die aus Gefängnissen Entlassenen loszuwerden …“ (Publikation des Ministeriums für Kolonien und des französischen Nationalarchivs für Übersee)

„Ab den 1930er Jahren sah sich das Kolonialministerium mit einer bitteren Realität konfrontiert: Die Strafkolonie kostete mehr, als sie einbrachte, und war nicht in der Lage, sich selbst mit Lebensmitteln zu versorgen.“ (Aufhebung der Verbannung nach Französisch-Guayana)

Es fragt sich allerdings, ob das vorher anders war oder ob erst 1930, nach der Weltwirtschaftskrise, überhaupt erstmals nachgerechnet wurde?
Obwohl die Deportation schon 1938 gesetzlich abgeschafft wurde, kam dieses Gesetz erst nach Ende des II. Weltkriegs zur Anwendung und die Rückführung der Sträflinge und Verbannten zog sich noch einige Jahre hin.

Ehemaliges Spital der Strafkolonie auf der Île Royale Gefängnisgebäude auf der Île Royale



Vom Standpunkt der Besiedlung hatte die Strafkolonie wenig gebracht, wie sich am Ende herausstellte. Die meisten der Sträflinge und Verbannten vermehrten sich nicht, gingen zugrunde, oder kehrten nach Frankreich zurück.


Goldrausch

Ungefähr um die gleiche Zeit, als die Strafkolonie Schwung aufnahm, wurden erstmals Goldfunde an einem kleineren Fluß im Urwald gemacht.
Von da ab ging es mit der Goldindustrie ständig bergauf. Eine wichtige Rolle als Vermittler spielten die Nachfahren entlaufener Sklaven, die die Wege durch den Dschungel kannten. Sie waren sozusagen Pioniere der Goldfunde und Pfadfinder für Unternehmen, die den Goldabbau maschinell betrieben.

All das entwickelte sich ohne irgendeine staatliche Kontrolle und auch ohne Hilfestellungen oder auch Besteuerung durch den Staat. Französisch-Guayana präsentierte sich also ungefähr ein Jahrhundert lang als ein geographisch und wirtschaftlich zweigeteiltes Territorium, wo außerhalb der Küstenregion, in der sich die Ortschaften und die Strafkolonien befanden, eine Art Niemandsland prosperierte, in dem sich jeder nahm, was er kriegen konnte.
Der Staat ließ es sich etwas kosten, seine unruhigen Elemente weitab der Metropolen relativ aufwendig zu verwalten und daneben wanderten unkontrolliert Personen aus anderen Kolonien, aus dem Mutterland und von anderen Staaten des amerikanischen Kontinents ein, um an dem Goldboom teilzuhaben. (Sehr viel anders ist es heute auch nicht.)

Nach 1945 wurde die Zeit der Strafkolonie durch die Eingliederung in den Staatsverband abgelöst. Die Stellung Guayanas änderte sich grundlegend: Administrativ, von der Versorgung her und auch von der Bevölkerungsentwicklung.

 

 


Teil Frankreichs

Mit der Erklärung zum „Überseedepartement“ im Jahr 1946 wurde nämlich gleichzeitig entkolonialisiert und das Territorium behalten, indem es kurzerhand, ungeachtet der Distanz, Teil der französischen Nation wurde.
Damals, mit Französisch-Guayana wurden die Inseln Martinique, Guadaloupe und Reunion ebenfalls eingemeindet. Jahrzehnte später folgte die Insel Mayotte.

Diese Aufnahme in das nationale Hoheitsgebiet ist ein historisch relativ einmaliger Fall, in dem einerseits die Kolonie keinerlei Widerstand leistet, keinerlei Abspaltung versucht. Hier unterscheidet sich Französisch-Guayana deutlich von anderen Kolonien Frankreichs, wie Vietnam, Kambodscha oder Algerien.
Auf der anderen Seite gab es jedoch auch ein Mutterland, das im Gegensatz zu den benachbarten anderen Guayanas, dieses Territorium behalten wollte – und sich das etwas kosten ließ.
Der Grund für diesen Schritt mag die damals von der neuen Weltmacht USA angeordnete bzw. zumindest betriebene Entkolonialisierung sein, vor der diese Territorien durch Aufnahme in den Staatsverband sozusagen „gerettet“ wurden. Da es sich um kleine oder dünn besiedelte Territorien handelte, war das verkraftbar. (1961 war die offizielle Bevölkerungszahl Französisch-Guayanas 33.000 Personen.)
Bei anderen Kolonien Frankreichs in Afrika und Asien wurde dieser Schritt gar nicht erst erwogen.

Als Überseedepartement und budgetärer Zuschußposten auf dem südamerikanischen Festland hatte Französisch-Guayana eine Zeitlang einen ähnlichen Status wie z.B. die Falkland-Inseln für Großbritannien vor 1983: Es war zwar da, aber niemand interessierte sich dafür.

Fahne und Wappen des Departements Französisch-Guayana  


Das änderte sich jedoch Anfang der 60-er Jahre.


Das französische Weltraumprogramm

Nicht nur die USA, auch die Grande Nation interessierte sich nach 1945 für die deutschen Wunderwaffen V1 und V2. Während bei den Marschflugkörpern lange keine großen Fortschritte erzielt wurden, war die Entwicklung von Raketen mit Flüssigantrieb in Frankreich Chefsache. Bald wurden in der algerischen Wüste einige Stationen eingerichtet, um dort Teststarts durchzuführen. Diese fanden ungeachtet der Aufstände und Kampfhandlungen während des algerischen Unabhängigkeitskriegs kontinuierlich statt.
Nach den Verträgen von Évian, die 1962 die algerische Unabhängigkeit einleiteten, mußte Frankreich diese Stützpunkte binnen einiger Jahre räumen.

Die V2, ursprünglich gebaut, um schnell große Distanzen zu überwinden und damit gegnerische Abwehrmaßnahmen zunichte zu machen, ließ sich auch in ein Gerät umwandeln, das hoch hinauf schießen konnte. Auf ihr baut das Raumfahrtsprogramm der USA, der Sowjetunion und auch Frankreichs auf. (Natürlich auch die Interkontinentalraketen: Die ursprüngliche Bestimmung, dem Gegner schwere Schläge zu versetzen, ist nach wie vor interessant.)

Nachdem Algerien als Kolonie abhanden gekommen war, besannen sich die zuständigen Behörden auf das ja auch noch vorhandene Überseedepartement Guayana, das weiterhin dünn besiedelt zwischen ein paar Verwaltungsbeamten, Eingeborenen und Goldschürfern vor sich hin kümmerte – und siehe da: Es stellte sich heraus, daß dieses Territorium viel besser geeignet war als die algerische Sahara, von seiner Lage, der dünnen Besiedlung, der Küste usw.

Das ganze Programm war alles andere als billig und so kamen die Verantwortlichen des 1961 gegründete „Zentrums für Weltraumforschung“ (CNES) auf die Idee, Trägerraketen für Satellitentransport zu entwickeln und das kommerziell anzubieten, um wenigstens einen Teil der Kosten für das Weltraumprogramm hereinzubringen. Der Bedarf nach dieser Dienstleistung war nämlich entstanden, nachdem mehr und mehr Staaten Satelliten verschiedenster Art in den Weltraum schickten und dafür ein entsprechendes Transportgerät benötigten.

Die Ariane1-Rakete – die erste Rakete, die von Kourou startete

 

... und sein irdisches Zuhause: Kourou

Ausgerechnet die Ortschaft Kourou, die in Frankreich eine Art Symbol für die gescheiterte Besiedlung Französisch-Guayanas im 18. Jahrhundert und die Schrecken der Tropen geworden war, wurde als neue Basis für Starts in den Weltraum ausgesucht. Vor allem die Nähe zum Äquator, die Nähe zum Meer und die völlige Gestaltungsfreiheit für die französischen Forscher und Behörden gaben den Ausschlag für diese Wahl. Immerhin handelte es sich um unbestritten französisches Territorium, aber weitab von störenden Augen von Freund und Feind. Nach vorne der Atlantik, nach hinten der Dschungel und keinerlei Gefahr vieler neugieriger Beobachter.

Nachdem Frankreich lange Zeit die einzige europäische Macht gewesen war, die ein Weltraumprogramm verfolgte, drängten mit der Zeit auch andere europäische Staaten in diese Domäne, nachdem sich dank der sowjetischen und US-Aktivitäten auf diesem Gebiet die Möglichkeiten und die Wichtigkeit der Eroberung des Weltraums gezeigt hatten. Von 1975 bis 1980 wurde die Europäische Weltraumorganisation ESA gegründet. Nachdem ihre Vorgängerorganisationen bereits einige Satelliten, aber keine Trägersysteme, um diese ins All zu befördern, geschaffen hatten, mußten diese Satelliten durch die USA in den Weltraum gebracht werden.

Mit französischem Know-How und multinationaler Finanzierung gingen schließlich die Ariane-Raketen in Serie, die mit Modifikationen seit 1979 die europäischen Forschungs- und Nachrichtensatelliten ins Weltall tragen. Mit Ausnahme einiger Flops meistens erfolgreich.
So hat sich das ungeliebte Gebiet für Frankreich schließlich doch noch bewährt. Mit dem Weltraumbahnhof in Kourou und der tragenden Rolle im Weltraumgeschäft hat Frankreich sich erstens einen zentralen Platz in der EU-Weltraum-Aktivität und zweitens auch im Satelliten-Business gesichert.

Startrampe der Ariane-Raketen in Kourou Für die Sojuz-Raketen wurde eine spezielle Rampe errichtet

 

Aufgrund von Kapazitätsproblemen beim Ariane-Programm begann im 21. Jahrhundert die über ein Jahrzehnt andauernde Kooperation mit Rußland.
Da Rußland mit einer Variante der Sojus-Raketen über leichtere und bewährte Trägerraketen verfügte als die inzwischen etwas groß geratene Ariane 5, wurde einige Jahre lange diese von Kourou gestartet, um kleinere europäische Satelliten ins All zu befördern. Diese Kooperation wurde nach dem Beginn des Ukraine-Krieges abgebrochen. Dann wurde eine Zeitlang auf Trägerraketen von Elon Musks Firma Space-X zurückgegriffen, bis 2026 die Ariane 6 mit Erfolg startete, wieder von Kourou.

Ariane5 an der Startrampe Die Rampe für die Sojuz-Raketen

 

Unter allen Weltraumbahnhöfen weltweit ist Kourou der beste. Er verfügt über Küste, wenig Besiedlung, praktisch keine Stürme und ist dem Äquator am nächsten.
Das Paradox ist, daß das europäische Raumfahrtszentrum auf einem anderen Kontinent liegt.


Energie

Da Frankreich außer dem Kosmodrom in Kourou auch bis 2013 potente Sendeanlagen für Radio France und Rundfunk-Mieter aus anderen Staaten unterhielt, stellte sich bald die Frage der Energieversorgung. Deshalb wurde vom französischen Energieversorger EdF in den Jahren 1989-94 der Petit-Saut-Staudamm gebaut und damit der gleichnamige Stausee eingerichtet, der größte Stausee Frankreichs. Er deckt zwei Drittel des Strombedarfs von Französisch-Guayana, der Rest wird auf andere Weise erzeugt – aus Öl und auch aus Sonnenenergie.
Die Leistung des Staudamms wird durch das geringe Gefälle und die große im See angesammelte – durch abgesoffene Bäume verursachte – Biomasse beeinträchtigt.
Außerdem hat das Aufstauen des Flusses die Abwässer des weiter südlich ohne irgendwelche Auflagen betriebenen Goldabbaus konzentriert, sodaß zur Biomasse auch noch viel Quecksilber hinzukommt. Der große See ist also recht giftig …  
Aber immerhin: Hier sorgt der französische Staat für die Energieversorgung der Region, wovon die anderen beiden Guayanas auch nur träumen können.

Gegenüber 1961 hat sich die Bevölkerung verzehnfacht, auf mehr als 300.000. (Die Einwohnerzahl entspricht ungefähr der zweitgrößten Stadt Österreichs, Graz.) Französisch-Guayana ist die Provinz Frankreichs mit dem größten Bevölkerungswachstum. Obwohl in den Urwaldgegenden der Goldabbau, der Schmuggel und auch Holzraub stattfinden, sind die Küstenregionen und die dortigen Ortschaften wohlgeordnet und wohlversorgt.

Man könnte deshalb diesen Staat als das „glückliche Guayana“ bezeichnen, im Vergleich zu den anderen beiden.

 

April 2026

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